Antigone

Sophokles

Antigone
Der göttliche Fluch gegen Ödipus, der seinen Vater getötet und vier Kinder mit seiner Mutter gezeugt hat, ist an seine Söhne weitervererbt worden. Nach Ödipus’ Tod haben sich Polyneikes und Eteokles im Kampf um den Thron in Theben gegenseitig getötet. Als neuer Herrscher verfügt ihr Onkel Kreon, dass Polyneikes als Angreifer seiner eigenen Heimat nicht bestattet werden darf. Antigone, die Schwester der beiden Kämpfer, kann dies nicht zulassen. Sie stellt sich in ihrer liebenden, frommen Hingabe an das höhere göttliche Gebot gegen die menschliche Pflicht: Trotz der von Kreon angedrohten Todesstrafe und der Warnungen ihrer Schwester Ismene bestattet sie ihren Bruder Polyneikes gemäß den traditionellen religiösen Vorschriften. Antigone fürchtet den Tod und riskiert doch alles. Ihr radikales Handeln gefährdet die Staatsräson. Kreon spricht zwischen Pflicht und Verblendung ein Todesurteil gegen Antigone aus und lässt sie lebendig einmauern. So entsteht ein verhängnisvolles Wechselspiel, das schließlich sowohl Kreons Sohn und Antigones Verlobten Hämon als auch Kreons Gemahlin vernichten wird.
Schon vor 2500 Jahren stellte Sophokles mit seiner am stärksten verinnerlichten Tragödie das Publikum vor das Dilemma: Kann man das Recht so einfach definieren, wenn es um Menschen geht? Die politischen und moralischen Konsequenzen von Antigones Geschichte sind bis heute spürbar: Auf der einen Seite der Staat mit seiner Logik des Machterhalts und der Sicherheit; auf der anderen Seite die Freiheit und Würde des Menschen.