Frank der Fünfte

Komödie einer Privatbank

Friedrich Dürrenmatt
mit Musik von Paul Burkhard

Frank der Fünfte
Frank der Fünfte führt seine „in irgendeiner liebenswürdigen Altstadt in einer mittleren Großstadt“ gelegene Privatbank in langer Tradition. Doch die Geschäfte laufen schlecht. Während seine Ahnen noch die Wallstreet regierten und sein Großvater ganz China im Griff hatte, kann die Bank heute nicht einmal mehr ein mittelgroßes Elektrizitätswerk finanzieren. Um dem Bankrott zu entgehen, inszenieren der Bankier und seine Frau Ottilie Franks Tod. Nur die sechs verbliebenen Angestellten sind eingeweiht in den Betrug. Der ist ohnehin das Geschäftsmodell der Bank: Man liquidiert Bankkunden, sobald sie ihr Konto auflösen wollen, erpresst oder inszeniert Versicherungsbetrug, verkauft Sandkuhlen als Goldgruben, hier und da ist auch ein Mord notwendig. Doch das Modell hat ausgedient. Den Gaunern misslingt das Gaunern, denn ihre Methoden stammen aus einer anderen, im Grunde schon vergangenen Zeit. Geplagt von seelischen und körperlichen Gebrechen träumen die Mitarbeiter der Gangsterbank allesamt scheinheilige Träume von einem anständigen Leben: Personalchef Egli und Frieda Fürst suchen seit über 20 Jahren ihr privates Glück miteinander, Prokurist Böckmann träumt von einem Kinderheim, der Schalterbeamte Kappeler will seine schwangere Freundin heiraten, sein Kollege Häberlin sehnt sich nach lebenslangem Zuchthaus und dessen sorglosem Frieden. Doch jeden Tag aufs Neue siegt die Gewohnheit und alle bleiben, wo sie sind. Bis ein anonymer Erpresser das Gleichgewicht der Bank über den Haufen wirft und den Gaunern zeigt, wie man erfolgreich Verbrechen begeht …
Friedrich Dürrenmatts 1958 entstandene „groteske Oper für Schauspieler“ ist nicht nur ein Angriff auf die Finanzwelt, sondern eine Parabel auf die Gesellschaft im Allgemeinen. Dürrenmatt schreibt: „Es wurde behauptet, Menschen, wie ich sie im Frank zeige, gebe es einfach nicht. Der Autor, als Beobachter der Menschen und seiner selbst, ist dessen nicht so sicher. Gewiss, meine Privatbank ist eine Fiktion. Aber wir alle wollen das Gute wie Franks Angestellte, glückliche Kinder, ein Häuschen in Maibrugg, Anständigsein. Seien wir auf der Hut, dass wir vom Guten nicht nur singen wie sie.“ Das Stück zeigt nicht nur eine Gesellschaft in einer Krise ihrer Wirtschaft, sondern in einer Krise ihrer Werte. Die Korruption ist überall – selbst in der Familie.