Wagner und Fritz (UA)

Jörg Ehni

Wagner und Fritz (UA)
Der ehemalige Lehrer Ernst August Wagner saß fast 25 Jahre in der Heilanstalt in Winnenthal, nachdem er am Morgen des 4. September 1913 in Stuttgart-Degerloch seine Frau und seine vier Kinder erschlagen und in der darauffolgenden Nacht in Mühlhausen, wo er einst Lehrer gewesen war, mehrere Häuser angezündet und neun Menschen erschossen hatte. Er begründete den Mord an seiner Familie damit, dass er seiner Frau und seinen Kindern die Folgen seiner geplanten Tat ersparen wollte. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass Wagner zudem geplant hatte, seine Schwester und ihre Familie umzubringen, das Schloss in Ludwigsburg niederzubrennen und sich dabei im Bett der Herzogin schließlich selbst zu verbrennen. Im Prozess in Heilbronn attestierten ihm die Gutachter Robert Wollenberg und Robert Gaupp einen Verfolgungswahn. Statt zum Tode verurteilt zu werden, wurde Wagner am 4. Februar 1914 in die Heilanstalt Winnenthal bei Winnenden eingewiesen.
Erstmals in der württembergischen Rechtsgeschichte war damit ein Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit des Angeklagten eingestellt worden. Während seiner Zeit in der Anstalt wurde Wagner Mitglied der NSDAP, empfing Besucher und teilte seine literarischen und politischen antisemitischen Vorstellungen mit der Außenwelt. Er schrieb mehrere Dramen und bezichtigte darüber hinaus den Autor Franz Werfel öffentlich des Plagiats.
Für seine szenische Auseinandersetzung erfindet Jörg Ehni den Zellengenossen Fritz, mit dem Wagner seine Gedanken und seinen Wahnsinn teilt.