Was Ihr wollt

William Shakespeare
Deutsch von Thomas Brasch

Was Ihr wollt
Der Schiffbruch der Zwillinge Viola und Sebastian ist Auslöser für ein grandioses Verwirrspiel: Viola strandet im unbekannten Illyrien und hält den Bruder für ertrunken. Auf sich gestellt, beschließt sie als Mann verkleidet in den Dienst des Herzogs Orsino zu treten. Cesario – wie sich Viola jetzt nennt – kann schnell das Vertrauen des Herzogs gewinnen und erhält den Auftrag, der von Orsino schwärmerisch angebeteten Gräfin Olivia dessen Liebesbotschaften zu überbringen. Der Schuss geht nach hinten los: Olivia, ohnehin nicht an Orsino interessiert und zunächst in Trauer um ihren verstorbenen Bruder, verliebt sich Hals über Kopf in den „jungen Mann“. Schon gerät Viola/Cesario in eine Zwickmühle: hat sie doch inzwischen wiederum Gefallen am Herzog gefunden.
Um das Chaos perfekt zu machen, wird Olivias ehrgeizigem und pedantischem Haushofmeister Malvolio ein gefälschter Liebesbrief zugespielt. Nach dessen Erhalt glaubt er, dass Olivia in ihn verliebt ist und blamiert sich zutiefst, als er in absurdem Aufzug mit gelben Strümpfen vor seiner Herrin herumstolziert. Als Krönung wird er von den Übeltätern für verrückt erklärt und eingesperrt. Hinter dem Streich stecken Olivias Onkel Sir Toby Rülps und sein einfältiger Saufkumpan und Geldesel Sir Andrew Bleichenwang, der ebenfalls ein Auge auf Olivia geworfen hat. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie von Olivias Kammerfrau Maria, die ebenfalls ein Hühnchen mit Malvolio zu rupfen hat.
Zu all dem findet Olivias Narr – der wie ein „Diener zweier Herren“ auch an Orsinos Hof seinen Lebensunterhalt mit Musizieren verdient – immer den passenden ironischen und hellsichtigen Kommentar. Denn auch er hat seine Kämpfe auszufechten, aber zum Glück nur mit Worten. Handgreiflicher wird es, als Violas totgeglaubter Zwillingsbruder Sebastian auftaucht und für Cesario gehalten wird. Die Ereignisse überschlagen sich…
Shakespeare spielt in seiner beliebten, temporeichen Verwechslungskomödie gekonnt mit dem Verschwimmen der Geschlechtergrenzen, mit dem Thema der Verstellung und dem schmalen Grat zwischen Verliebtheit und Narrheit. Ähnlich wie Viola durchleben auch die anderen Figuren die eine oder andere Identitätskrise. Nicht zuletzt deshalb schwebt über dem Stück voll satirischer und romantischer Momente immer ein Hauch Melancholie.