Geschlossene Gesellschaft

Jean-Paul Sartre
Deutsch von Traugott König

Drei Personen, die sich im Leben nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod von einem geheimnisvollen Kellner in einen Raum eingeschlossen. Der Journalist Garcin wurde erschossen, die lesbische Postangestellte Inès starb an einer Gasvergiftung und Estelle, eine Dame aus der besseren Gesellschaft, erlag einer Lungenentzündung. Auf den ersten Blick scheint es nichts zu geben, was sie miteinander verbindet, und doch bildet dieser Raum die ganz persönliche Hölle dieser drei Figuren, aus der es kein Entkommen gibt. Die Regeln dieser Szenerie sind ihnen zunächst nicht bekannt. Während sie ihre
Hinterbliebenen beobachten und in deren Erinnerungen eintauchen wird jedoch klar, dass sie sich selbst und den anderen ausgeliefert sind, den eigenen und fremden Grausamkeiten, Lügen und Manipulationen und auch dem Grauen der Wahrheit, das langsam an die Oberfläche dringt. Aber irgendwann ist selbst die letzte lebendige Erinnerung an die drei Antagonist*innen erloschen, und es bleiben nur noch dieser Raum und die Anderen. Das ist die Hölle.
„Geschlossene Gesellschaft“ ist das bekannteste und erfolgreichste Stück des französischen Schriftstellers und Philosophen Jean-Paul Sartre. Nach der Uraufführung 1944 galt das Stück zunächst als amoralisch, wurde nach der Befreiung von Paris jedoch von Kritik und Publikum gefeiert. In einer erbarmungslosen Versuchsanordnung eröffnet Sartre darin den Blick auf die grundlegende Ausweglosigkeit der menschlichen Existenz.