Ursel

Guy Krneta

Ursel
Ursel ist sechs Jahre alt und damit älter als ihr Bruder Urs, obwohl der vor ihr geboren wurde. Denn Urs war erst drei, als er aus dem Fenster fiel und starb. Ursel hat ihren Bruder nie kennengelernt, und doch ist er jeden Tag als unerreichbares Idealbild präsent. Die Eltern decken den Tisch für ihn mit, und jeden Sonntag gehen sie gemeinsam auf den Friedhof. Wenn Ursel nicht aufessen will, heißt es: Urs hätte bestimmt eine zweite Portion gegessen. Wenn sie ihr Zimmer nicht aufgeräumt hat, sagen ihre Eltern: bei Urs sei immer alles ordentlich gewesen. Aber Ursel möchte nicht weiter mit ihrem toten Bruder verglichen werden. Sie sehnt sich nach ihrem eigenen Platz in der Familie und ihrer eigenen Identität, nach Zuneigung für die Ursel, die sie ist. Eines Tages stiehlt sie sich davon und spielt ihre eigene Beerdigung nach, bei der sie endlich einmal im Mittelpunkt steht und alle nur an sie denken. Aber die vermeintlich schöne Fantasie wird schon bald brüchig, und Ursel sehnt sich zurück zu ihren Eltern und zurück in ihr Elternhaus, wo sie endlich auch findet, was ihr bisher gefehlt hat.
Mit fesselnder Leichtigkeit und Sensibilität erzählt Guy Krneta eine tröstende und versöhnliche Geschichte über Eifersucht und Konkurrenz, Tod und Trauer.